Fragen & Antworten

Die wichtigsten Fragen – und unsere Antworten

Warum ist Norwegen wichtig?

Weil Norwegen bereits jetzt nicht nur seinen Stromverbrauch fast vollständig durch Erneuerbare deckt, sondern seine Stromproduktion durch den sehr hohen Wasserkraftanteil sehr flexibel ist. Mit seinen Wasserkraftwerken verfügt Norwegen bereits jetzt über 50 % der europäischen Stromspeicherkapazitäten und kann diese ohne neue Staudämme um weitere 20 % erhöhen.

Warum sind norwegische Speicher besonders günstig? Was ist mit anderen Flexibilitätsoptionen?

Durch den starken Ausbau der fluktuierenden Erneuerbaren Wind und Sonne wird der Bedarf an Flexibilität enorm steigen. Deshalb müssen verschiedene Optionen in Deutschland und anderen Ländern entwickelt und ausgebaut werden. Indirekte Speicherung in Skandinavien, besonders in Norwegen, ist dabei eine sehr kostengünstige Lösung. Strom wird in sonnen- und windreichen Zeiten nach Norden exportiert und verbraucht. Das dann nicht benötigte Wasser wird in den Reservoirs gehalten und kann in anderen Zeiten zur zusätzlichen Produktion für den Export in andere Länder genutzt werden.

Braucht Deutschland nicht mehr regionale Lösungen und Investitionen in die deutsche Wirtschaft?

Zur bezahlbaren Lösung der Flexibilitätsherausforderungen der Energiewende wird beides benötigt: Regionale Lösungen und internationale Kooperationen. Höhere Austauschkapazitäten mit Skandinavien sichern die Einspeisemöglichkeit hoher Strommengen in wind- und sonnenstarken Zeiten und fördern so weitere Investitionen in Erneuerbare in Deutschland. Unterstützt werden sollte dies durch politische Maßnahmen für den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle.

Wollen die Norweger die deutsche Energiewende unterstützen?

Die breite Koalition der Unterzeichner der Erklärung zeigt, dass viele Norweger eine Kooperation wollen, nicht vorwiegend um Deutschland oder Europa zu helfen, sondern vielmehr um Klimaschutz für künftige Generationen voranzubringen und die wirtschaftlichen Chancen zu nutzen. Norwegen hat trotz hoher Anteile Erneuerbarer viel Potential und ambitionierte Ziele für mehr Klimaschutz. Erhöhte Verbindungskapazitäten eröffnen wirtschaftliches Potential für norwegische Stromproduzenten und Netzbetreiber. Indem Norwegen Regelenergie zur Verfügung stellt, sichert es sich zudem eine strategische Position in Europa, die über das Öl- und Gaszeitalter hinausreichen wird.

Darf Deutschland norwegische Natur für seinen Energiebedarf zerstören?

In der deutschen wie der norwegischen Debatte spielt Naturschutz zu Recht eine große Rolle. Alles in allem sind die Umweltfolgen erneuerbarer Energien inkl. intensiverer Nutzung von Wasserspeichern und verstärktem Netzausbau geringer als die konventioneller mit Abbau, Transport, Emissionen und Endlagerung. Zudem gibt es bei den angedachten Austauschkapazitäten keinen Bedarf für den Bau neuer Dämme. Es gilt gemeinsam über Grenzen hinweg abzuwägen, wie Europa durch Effizienz und bestmögliche Nutzung seiner Ressourcen Natur- und Klimaschutz voranbringen kann.

Macht sich Deutschland von Norwegen abhängig?

Deutschland ist stark von Energieimporten abhängig, der Ausbau der Erneuerbaren verringert diese Abhängigkeiten. Eine autarke Stromversorgung mit Erneuerbaren ist zwar laut einiger Studien möglich, aber eine sehr teure Lösung. Zudem bleibt Deutschland als Exportwirtschaft ohnehin stark mit anderen Ländern verflochten. Die Zusammenarbeit mit verlässlichen europäischen Nachbarn wie Norwegen birgt daher langfristig mehr Chancen als Risiken.

Ist Norwegen nicht schon am Ziel?

Auf den ersten Blick hat Norwegen bereits erreicht, was in Deutschland noch Zukunftsmusik ist. Eine Stromversorgung aus fast 100 % Erneuerbaren. Dabei werden die fossil betriebenen Gas- und Ölplattformen im Offshore-Sektor nicht eingerechnet. Mit 95 % Wasserkraft ist Strom nicht nur in den meisten Zeiten des Jahres flexibel verfügbar, sondern sind auch niedrige Verbraucherpreise für die Bevölkerung und die energieintensive Industrie gesichert.

Obgleich die technischen Austauschkapazitäten beschränkt sind, exportiert Norwegen jedoch einen Großteil seiner Erneuerbaren virtuell über Zertifikate, insbesondere nach Deutsch- land. Wird dies berücksichtigt, lag der Anteil Erneuerbarer am norwegischen Stromverbrauch in den Jahren 2011–2012 nur noch bei durchschnittlich 31 %5 und damit dem deutschen vergleichbar.

Trotz seiner Wasserkraft gehört Norwegen zu den Ländern mit den höchsten CO2-Emissi- onen pro Einwohner in Europa. Der Anteil Erneuerbarer am Gesamtenergieverbrauch liegt bei 62 %. Norwegen verpflichtete sich im Kyoto-Protokoll dazu, den Anstieg der Treib- hausgase 2008 – 2012 auf 1 % (im Vergleich zu 1990) zu begrenzen. Seine inländischen Emissionen stiegen jedoch um fast 6 %.

Norwegen hat sich in internationalen Klimaverhandlungen stark für verbindliche und ambitionierte Abkommen eingesetzt. Seine Klimaziele kann es allerdings bisher nur durch Maßnahmen in anderen Ländern erreichen. Doch die heimischen Potentiale im Bereich Effizienz und beim Ausbau der Erneuerbaren (Wind, kleine Wasserkraft, TWh Biomasse) sind groß. Noch entscheidender für den europäischen Klimaschutz kann jedoch die Bereitstellung von Flexibilitätsoptionen für die fluktuierenden Erneuerbaren Europas sein.