Wirtschaftliche Vorteile

Vom verstärkten Stromhandel können beide Seiten profitieren. In Zeiten hoher Wind-und Solarenergieproduktion kann Norwegen billigen Strom aus Deutschland importieren und zugleich Wasser in den Kraftwerken sparen (indirekte Speicherung). In Zeiten niedriger Windenergie in Deutschland kann wiederum Norwegen das gespeicherte Wasser nutzen, um Strom zu höheren Preisen zu exportieren.

Seekabel benötigen große Investitionen. Doch das längste Seekabel der Welt zwischen Norwegen und den Niederlanden amortisierte sich durch die Preisunterschiede in den Strommärkten bereits in weniger als drei Jahren. Seitdem generiert das Kabel, dessen Betreiber in beiden Ländern in öffentlicher Hand liegen, einen Nettogewinn.

Wie kann das sein? Allzu oft wird über Norwegen als Stromexporteuer geredet, aber die schwankenden Preisdifferenzen zeigen das Handelspotential in beide Richtungen. In den Abbildungen unten sind die stündlichen Preisdifferenzen zwischen dem Stromhandelspreis in der Oslo- Region und dem deutschen EEX ausgewiesen. Die roten Markierungen zeigen die Stunden, in denen der EEX-Strompreis mind. 10 €/MWh über dem Oslo-Preis lag. In „grünen Stunden“ lag der deutsche Preis mind. 10 €/MWh unter dem Oslo-Preis. In „gelben Stunden“ war die Differenz geringer.

Preisunterschiede

Auf den ersten Blick ist zu sehen, dass es viele Stunden mit deutlichen Preisunterschieden in beide Richtungen gibt. Mit wachsenden Wind- und Solarkapazitäten in Mitteleuropa wird das Handelspotential noch größer werden.

Dabei ergänzen sich die Erneuerbaren: Im wind- und sonnenarmen November sind die norwegischen Speicher voll und Norwegen kann Strom exportieren. In vielen anderen Stunden, auch im Winter und wenn sich im Frühjahr die norwegischen Wasserspeicher leeren, kann die hohe Produktion aus Wind- und Sonnenenergie in Mitteleuropa für den norwegischen Bedarf mitgenutzt werden. Die Systemstabilität in beiden Ländern wird gestärkt und auch kurzfristige Fluktuationen können schnell ausgeglichen werden.

Es gibt viele Gewinner: Für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher ist norwegischer Wasserstrom eine günstige Reservekapazität. Norwegische Stromerzeuger werden nach Europa in stromknappen Stunden zu guten Preisen verkaufen. Umgekehrt: Wenn in wind- und sonnenreichen Stunden Strom nach Norden verkauft werden kann, sichert dies optimale Auslastung und weiterhin gute Investitionsbedingungen für den Ausbau Erneuerbarer in Deutschland.

Norwegische Strompreise sind durchschnittlich niedriger als deutsche, weshalb viele Norweger bei verstärkten Verbindungen Preiserhöhungen befürchten. Die niedrigen Preise sind wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der norwegischen energieintensiven Industrie. Doch das Handelspotential in beide Richtungen zeigt, dass Preise durch Verbindungen nicht automatisch steigen. Falls sie es doch tun, bedeutet dies erhöhte Einnahmen für die norwegischen Stromproduzenten. Eine faire soziale Umverteilung wie in anderen Bereichen (z. B. Ölfonds) kann organisiert werden, insbesondere da die meisten norwegischen Produzenten in öffentlicher Hand sind. Wirtschaftlich annehmbar steigende Energiepreise können zudem einen Anreiz für Investitionen in Effizienz bilden.

Mehr Verbindungen erhöhen Norwegens Versorgungssicherheit in trockenen Jahren und Deutschlands Versorgungssicherheit in Zeiten niedriger Produktion aus Erneuerbaren. Damit wird das Stromsystem in der gesamten Region stabilisiert.

Da die indirekte Speicherung in skandinavischen Wasserspeichern fast keine Energieverluste hat (abgesehen von moderaten Transportverlusten), ist sie energieeffizienter als die meisten anderen Speicheroptionen. Deshalb sind skandinavische Speicher eine sehr effektive Option, um große Menge fluktuierender Erneuerbarer in Deutschland und anderen Teilen Europas auszugleichen. Sie können so dazu beitragen, die Kosten der Energiewende zu reduzieren. Zugleich kann dies nur ein Teil der Lösung sein, andere Flexibilitätsoptionen müssen ebenfalls entwickelt und eingesetzt werden.

Um diese Kooperation zu ermöglichen, ist ein sukzessiver Ausbau der Verbindungskapazitäten nötig. Dies kann auch für die Bürgerinnen und Bürger wirtschaftlich attraktiv sein: Das zuletzt gebaute Seekabel zwischen Norwegen und den Niederlanden hat sich in weniger als drei Jahren amortisiert und generiert nun Reinerlös für die öffentlichen Unternehmen, die die Kabel betreiben. Wir begrüßen und unterstützen die zügige Umsetzung der geplanten internationalen Verbindungen. Wir ermutigen die politischen Entscheidungsträger, die Realisierung weiterer Verbindungskapazitäten voran zu treiben, wenn diese gebraucht werden, um höhere Anteile von Erneuerbaren in Deutschland und anderen Ländern zu ermöglichen.